Die Münzen der Reichsmark (1924-1948)
Die Reichsmark war von 1924 bis 1948 die offizielle Währung Deutschlands und spiegelt die bewegte Geschichte von der Weimarer Republik über das Dritte Reich bis zur unmittelbaren Nachkriegszeit wider. Als Sammelgebiet dokumentiert sie geldpolitische Umbrüche, historische Zäsuren und die Entwicklung des deutschen Münzwesens.
- Währung: Reichsmark (RM), unterteilt in 100 Reichspfennig (RPf)
- Zeitraum: 1924 – 1948
- Epochen: Weimarer Republik, Drittes Reich, Alliierte Besatzungszeit
- Vorgänger: Papiermark, Rentenmark
- Nachfolger: Deutsche Mark (DM)
- Materialien: Bronze, Aluminiumbronze, Nickel, Aluminium, Zink, Silberlegierungen
- Numismatische Relevanz: Ein historisch bedeutendes Sammelgebiet, das die Währungsgeschichte dreier politischer Epochen Deutschlands dokumentiert.
Von der Hyperinflation zur Goldkernwährung
Das Münzgesetz vom 30. August 1924 etablierte die Reichsmark als Reaktion auf die Hyperinflation, welche die Papiermark entwertet hatte. Zuvor diente die am 15. November 1923 eingeführte Rentenmark als Übergangswährung zur Stabilisierung der Wirtschaft. Der Umtauschkurs betrug 1:1 zur neuen Reichsmark, während das Verhältnis zur Papiermark bei 1:1 Billion lag. Formal war die Reichsmark an Gold gekoppelt (1/2790 kg Feingold), jedoch bestand im Gegensatz zur Goldmark des Kaiserreichs keine gesetzliche Einlösepflicht in physisches Gold. Sie fungierte somit als Goldkernwährung ohne umlaufende Goldmünzen für den Zahlungsverkehr.
Die Silberprägungen von Weimarer Republik und Drittem Reich
Die Silbermünzen der Reichsmark-Ära waren konsequent als Scheidemünzen konzipiert, deren Edelmetallwert den Nennwert nicht übersteigen durfte. Die Silberfeingehalte waren dabei signifikant geringer als bei den Prägungen des Kaiserreichs (meist Ag 900/1000). So wiesen die Kursmünzen zu 2 und 5 Reichsmark mit dem Porträt Paul von Hindenburgs anfänglich einen Feingehalt von 900/1000, später nur noch 625/1000 Silber auf. Aufgrund der massiven Kriegsgeldschöpfung ab 1939 wurden diese Silbermünzen von der Bevölkerung in großem Umfang gehortet (thesauriert). Sie sind daher heute in großer Stückzahl verfügbar und bilden einen zugänglichen Einstieg in das Sammelgebiet.
Tabelle der Silberprägungen
| Nominal | Bezeichnung / Motiv | Material | Rohgewicht | Feingewicht (Ag) | Prägezeitraum |
|---|---|---|---|---|---|
| 2 Reichsmark | Hindenburg (mit Hakenkreuz) | Ag 625 | 8,0 g | 5,0 g | 1936-1939 |
| 3 Reichsmark | Gedenkmünzen (z.B. Goethe) | Ag 500 | 15,0 g | 7,5 g | 1925-1932 |
| 5 Reichsmark | Hindenburg (ohne Hakenkreuz) | Ag 900 | 25,0 g | 22,5 g | 1935-1936 |
| 5 Reichsmark | Garnisonkirche Potsdam | Ag 900 | 13,889 g | 12,5 g | 1934-1935 |
Numismatischer Hinweis
Der Prägebuchstabe ist für die Wertermittlung von Reichsmark-Münzen oft ebenso entscheidend wie Jahrgang und Erhaltung. Die verschiedenen Prägestätten (A=Berlin, D=München, E=Muldenhütten, F=Stuttgart, G=Karlsruhe, J=Hamburg) hatten teils stark voneinander abweichende Auflagenhöhen. Eine genaue Identifikation des Prägebuchstabens ist daher für eine fundierte Sammlungsbewertung unerlässlich.
Das Ende der Reichsmark und die Entwicklung zur modernen Sammlermünze
Die exzessive Geldschöpfung zur Kriegsfinanzierung und die Zerstörung der Produktionskapazitäten führten zum vollständigen Funktionsverlust der Reichsmark. Mit der Währungsreform vom 21. Juni 1948 wurde sie in den Westzonen durch die Deutsche Mark (DM) abgelöst, was den Grundstein für das deutsche Wirtschaftswunder legte. Die DM- und spätere Euro-Ära transformierte die deutsche Gedenkmünzenprägung fundamental: von der Umlaufmünze mit Gedenkcharakter zum reinen Sammlerobjekt. Diese Entwicklung spiegelt sich in den kontinuierlichen Anpassungen von Nominalen, Materialien und Legierungen wider. Als Reaktion auf die Volatilität der Edelmetallpreise hat das Bundesfinanzministerium (BMF) für das Ausgabeprogramm ab 2026 neue Parameter für Silbermünzen in der Prägequalität Stempelglanz festgelegt: Die neuen 35-Euro-Münzen werden aus einer Silberlegierung Ag 500 (ca. 17 g) und die 50-Euro-Münzen aus Ag 625 (ca. 21 g) bestehen. Die Prägungen in der höchsten Sammlerqualität Spiegelglanz (Proof) bleiben von dieser Änderung unberührt und werden weiterhin aus Sterlingsilber (Ag 925) gefertigt.
Der Wert von Reichsmark-Münzen ist stark von Erhaltung, Material (insb. Silber), Prägestätte und Seltenheit abhängig. Gängige Silbermünzen wie die 2- und 5-Reichsmark-Stücke mit dem Porträt Hindenburgs sind weit verbreitet und werden oft nahe ihrem Materialwert gehandelt. Seltene Jahrgänge, Gedenkmünzen der Weimarer Republik oder Stücke in exzellenter Erhaltung (Stempelglanz) können hingegen signifikante Sammlerwerte erzielen.
Diese drei Währungen repräsentieren unterschiedliche geldpolitische Systeme: Die Goldmark (bis 1914) war durch die Goldreserven der Reichsbank gedeckt und konnte in physisches Gold eingetauscht werden. Die Rentenmark (1923/24) war eine kurzlebige Übergangswährung zur Inflationsbekämpfung, gedeckt durch eine Zwangshypothek auf die deutsche Wirtschaft. Die Reichsmark (ab 1924) war die offizielle Nachfolgewährung, formal an Gold gekoppelt („Goldkernwährung“), aber ohne Umtauschrecht für die Bevölkerung.
Der Hauptunterschied liegt im Zweck der Prägungen. Während Gedenkmünzen der Weimarer Republik (z.B. 3 und 5 Reichsmark) für den Umlauf konzipiert waren, sind moderne deutsche Euro-Gedenkmünzen primär Sammlerobjekte. Dies äußert sich in künstlerisch anspruchsvolleren Motiven, dem Einsatz von Veredelungstechniken und einer diversifizierten Nominal- und Materialstruktur. Die ab 2026 gültigen Anpassungen der Silberlegierungen bei 35- und 50-Euro-Münzen sind ein aktuelles Beispiel für diese stetige Weiterentwicklung, um auf ökonomische Rahmenbedingungen zu reagieren und ein attraktives Sammelgebiet zu erhalten.