Die Bimetall-Konstruktion der Euro-Münzen: Pille und Ring
Die 1- und 2-Euro-Umlaufmünzen zeichnen sich durch ihre charakteristische Bimetall-Struktur aus, die aus einem inneren Kern, der sogenannten Pille, und einem äußeren Ring besteht. Diese Konstruktion dient nicht nur ästhetischen Zwecken, sondern erhöht auch maßgeblich die Fälschungssicherheit der beiden höchsten Nominale des Euro-Bargeldes.
- Bimetall-Konstruktion: Euro-Münzen der Nominale 1 und 2 Euro bestehen aus einem Kern (Pille) und einem äußeren Ring.
- Materialkontrast: Die Farbgebung von Pille und Ring ist bei 1- und 2-Euro-Münzen spiegelverkehrt angeordnet, was eine schnelle Unterscheidung ermöglicht.
- Designvorgaben: Der Ring der nationalen Seite muss die zwölf Europasterne tragen, während das Hauptmotiv auf der Pille platziert wird.
- Gültigkeit: Nur die ungetrennte Einheit von Pille und Ring stellt ein gültiges Zahlungsmittel dar. Eine Trennung führt zur Entwertung.
Aufbau und Materialzusammensetzung
Die 1- und 2-Euro-Münzen sind als Bimetallprägungen konzipiert. Ihre Konstruktion basiert auf dem Fügen zweier unterschiedlicher Legierungen. Während bei der 1-Euro-Münze der äußere Ring aus Nickel-Messing (CuZn20Ni5) besteht und die Pille aus Kupfernickel (CuNi25), ist die Anordnung bei der 2-Euro-Münze genau umgekehrt. Hier wird der Ring aus Kupfernickel gefertigt und die Pille aus Nickel-Messing. Dieser Materialwechsel erzeugt den charakteristischen, gegenläufigen Farbeindruck – golden/silbern bei 1 Euro und silbern/golden bei 2 Euro – und dient als wichtiges Sicherheitsmerkmal.
Gestaltungsrichtlinien für die nationale Seite
Die Gestaltung der nationalen Münzseiten unterliegt klaren Vorgaben der Europäischen Kommission. Ein zentrales Element ist die Abbildung der zwölf Sterne der Europäischen Union, die auf dem äußeren Ring platziert sein müssen. Das nationale Motiv ist primär für die Pille vorgesehen. Dennoch besteht für die Mitgliedstaaten ein gewisser gestalterischer Spielraum. Einige Prägungen nutzen die Möglichkeit, das Motiv von der Pille auf den Ring übergehen zu lassen. Prominente Beispiele hierfür sind die italienische 2-Euro-Münze von 2002 mit dem vitruvianischen Menschen oder die niederländische Serie von 2014, die das Porträt von König Willem-Alexander zeigt. Auch die Platzierung der Jahreszahl kann variieren; so findet sie sich bei der französischen Prägung von 1999 auf dem Ring statt auf der Pille.
Technische Spezifikationen im Vergleich
| Merkmal | 1-Euro-Münze | 2-Euro-Münze |
|---|---|---|
| Durchmesser | 23,25 mm | 25,75 mm |
| Dicke | 2,33 mm | 2,20 mm |
| Gewicht | 7,50 g | 8,50 g |
| Material Ring | Nickel-Messing (CuZn20Ni5) | Kupfernickel (CuNi25) |
| Material Pille | Kupfernickel (CuNi25) | Nickel-Messing (drei Schichten: CuZn20Ni5 / Ni / CuZn20Ni5) |
Rechtliche Aspekte und Fälschungssicherheit
Die Verbindung von Pille und Ring ist unauflöslich und für die Gültigkeit der Münze als gesetzliches Zahlungsmittel zwingend erforderlich. Eine mechanische Trennung der beiden Komponenten, in Fachkreisen auch als „Depillierung“ bezeichnet, stellt eine vorsätzliche Beschädigung dar. Eine derart manipulierte Münze verliert ihren Nennwert und wird von den nationalen Zentralbanken nicht mehr umgetauscht. Die komplexe Bimetall-Technologie stellt einen signifikanten Schutz gegen Fälschungen dar, da die präzise und dauerhafte Verbindung zweier unterschiedlicher Metalle einen hohen fertigungstechnischen Aufwand erfordert.
Fachhinweis zu deutschen Euro-Gedenkmünzen ab 2026
Aufgrund der hohen Volatilität des Silberpreises hat das Bundesministerium der Finanzen (BMF) eine Anpassung der Legierungen für deutsche Silber-Gedenkmünzen ab dem Jahrgang 2026 beschlossen. Die neuen 35-Euro-Münzen in der Prägequalität Stempelglanz werden aus einer Silberlegierung Ag 500 mit einem Gewicht von ca. 17 Gramm geprägt. Die 50-Euro-Münzen in Stempelglanz bestehen zukünftig aus Ag 625 bei ca. 21 Gramm. Die Spezifikationen für die Sammlerqualität Spiegelglanz (Proof) bleiben unverändert bei Ag 925.
Häufige Fachfragen
Die Entscheidung für eine Bimetall-Struktur hatte primär zwei Gründe: die Erhöhung der Fälschungssicherheit und die Verbesserung der haptischen sowie visuellen Unterscheidbarkeit. Die aufwendige Herstellungstechnik erschwert die illegale Nachprägung erheblich. Zudem erleichtert der Farbkontrast die schnelle Identifikation der Nominale, auch für Personen mit Sehbeeinträchtigung.
Eine Trennung der Komponenten gilt als vorsätzliche Beschädigung. Gemäß den EU-Vorschriften und nationalen Münzgesetzen verliert eine solche Münze ihren Status als gesetzliches Zahlungsmittel. Sie ist für den Zahlungsverkehr ungültig und von der Erstattung durch die nationalen Zentralbanken, wie der Deutschen Bundesbank, ausgeschlossen.
Ja, das Konzept der Bimetall-Münze ist international etabliert und wird von vielen Staaten als Sicherheitsmerkmal genutzt. Bekannte Beispiele sind die britische 2-Pfund-Münze, die kanadische 2-Dollar-Münze (auch „Toonie“ genannt), die mexikanische 10-Peso-Münze oder der thailändische 10-Baht-Coin.
Im Wesentlichen ja. Die Gestaltungsrichtlinien für 2-Euro-Gedenkmünzen entsprechen denen der regulären Umlaufmünzen. Das nationale Motiv wird auf der Pille dargestellt, während der Ring die zwölf Europasterne zeigt. Die künstlerische Freiheit erlaubt zwar, dass Designelemente die Grenze zwischen Pille und Ring berühren oder optisch kreuzen, das Hauptmotiv bleibt jedoch im Kern zentriert.