Münzprägungen des Dritten Reichs (1933–1945)
Die Numismatik des Dritten Reichs umfasst Umlauf- und Gedenkmünzen, die zwischen 1933 und 1945 geprägt wurden. Charakteristisch sind die ideologisch geprägte Motivik, wie der Reichsadler mit Hakenkreuz ab 1936, sowie kriegsbedingte Änderungen der Münzmetalle.
- Die ab 1936 geprägten Kleinmünzen tragen den Reichsadler mit Hakenkreuz; kriegsbedingt wurden strategische Metalle wie Bronze und Nickel durch Zink und Aluminium ersetzt.
- Silbermünzen: Die Kursmünzen zu 2 und 5 Reichsmark zeigen mehrheitlich das Porträt Paul von Hindenburgs.
- Gedenkmünzen: Es erschienen nur wenige Sonderprägungen, unter anderem zu Ehren von Martin Luther und Friedrich Schiller.
Umlaufmünzen im Nationalsozialismus
Nach 1933 blieben zunächst einige Münztypen der Weimarer Republik, wie die Reichspfennig-Stücke, im Umlauf und wurden teils weitergeprägt. Ab 1936 erfolgte eine motivische Neugestaltung der Kleinmünzen. Die Wertseite (Revers) zeigte nun einen Reichsadler, der einen Eichenkranz mit Hakenkreuz in den Fängen hält. Diese Änderung betraf die Reichspfennig-Stücke (1, 2, 5, 10 Rpf) sowie das 50-Reichspfennig-Stück aus Nickel. Bedingt durch die Kriegswirtschaft wurde ab 1940 bei den Kleinmünzen Bronze durch Zink und Nickel durch Aluminium ersetzt.
Die Reichsmark-Umlaufmünzen wurden ebenfalls angepasst. Das 1-Reichsmark-Stück bestand aus reinem Nickel. Die Silbermünzen zu 2 Reichsmark (Silber 625/1000) und 5 Reichsmark (Silber 900/1000) trugen ab 1936 das Bildnis des verstorbenen Reichspräsidenten Paul von Hindenburg. Die 5-Reichsmark-Münze mit dem Motiv der Garnisonkirche Potsdam wurde von 1934 bis 1936 als Umlaufgedenkmünze ausgegeben.
Übersicht der Umlaufmünzen
| Nennwert | Material / Legierung | Prägejahre | Hauptmotiv (Avers) |
|---|---|---|---|
| 1, 2 Reichspfennig | Bronze (bis 1940), Zink (ab 1940) | 1936–1945 | Reichsadler mit Hakenkreuz |
| 5, 10 Reichspfennig | Aluminiumbronze (bis 1939), Zink (ab 1940) | 1936–1945 | Reichsadler mit Hakenkreuz |
| 50 Reichspfennig | Nickel (1938–39), Aluminium (1939–44) | 1938–1944 | Reichsadler mit Hakenkreuz (Ni), Reichsadler (Al) |
| 1 Reichsmark | Nickel | 1933–1939 | Reichsadler |
| 2 Reichsmark | Silber (625/1000) | 1936–1939 | Paul von Hindenburg |
| 5 Reichsmark | Silber (900/1000) | 1936–1939 | Paul von Hindenburg |
Gedenkmünzen der NS-Zeit
Im Zeitraum von 1933 bis 1945 wurde nur eine sehr begrenzte Anzahl an Gedenkmünzen ausgegeben. Anlässlich des 450. Todestages von Martin Luther erschienen 1933 Silbermünzen zu 2 und 5 Reichsmark. Diese Prägungen waren die ersten deutschen Münzen, deren Inschrift in Frakturschrift gestaltet war. Weitere Gedenkausgaben erfolgten 1934 zum 175. Geburtstag von Friedrich Schiller sowie 1934/35 zur Eröffnung des Reichstages in der Garnisonkirche zu Potsdam.
Numismatischer Hinweis
Der Erhaltungsgrad ist bei Münzen des Dritten Reichs ein maßgeblicher Faktor für die Bewertung. Insbesondere die kriegsbedingt aus Zink geprägten Stücke neigen stark zur Korrosion („Zinkfraß“). Einwandfrei erhaltene Exemplare dieser Zinkmünzen sind daher seltener und gesuchter als ihre Pendants aus Bronze.
Häufige Fachfragen zu Münzen des Dritten Reichs
Die Umstellung von Bronze und Nickel auf Zink und Aluminium war eine direkte Folge der Kriegswirtschaft. Bunt- und Legierungsmetalle wurden als kriegswichtige Rohstoffe eingestuft und waren für die Münzproduktion nicht mehr verfügbar. Man griff daher auf leicht verfügbare Ersatzmetalle zurück.
Die Verwendung der Frakturschrift war ein bewusstes gestalterisches Mittel, das die nationalsozialistische Ideologie widerspiegelte. Sie sollte eine traditionelle „deutsche“ Identität betonen und sich von der international gebräuchlichen Antiqua-Schrift abgrenzen. Numismatisch markiert sie einen stilistischen Bruch.
Die Münzprägungen erfolgten in verschiedenen deutschen Prägestätten, die durch Buchstaben gekennzeichnet sind: A (Berlin), D (München), E (Muldenhütten), F (Stuttgart), G (Karlsruhe) und J (Hamburg). Nach dem „Anschluss“ Österreichs 1938 kam die Münzstätte Wien (B) hinzu.
Nein, die bloße Abbildung des Hakenkreuzes bestimmt nicht den Sammlerwert. Entscheidend sind, wie in der Numismatik üblich, Faktoren wie die Seltenheit des Jahrgangs und der Prägestätte, der Nennwert, das Münzmetall (Silber oder unedles Metall) und vor allem der Erhaltungsgrad der jeweiligen Münze.