Deutsche Prägezeichen
Seit der Gründung des Deutschen Reiches im Jahr 1871 werden Münzen mit Buchstaben als Prägezeichen versehen. Diese auch als Münzzeichen bekannten Kennungen identifizieren die jeweilige staatliche Münzprägeanstalt und lösten die zuvor gebräuchlichen Münzmeisterzeichen ab.
- Funktion: Buchstaben, die die Herkunft einer Münze aus einer bestimmten Münzprägestätte anzeigen.
- Historie: Eingeführt 1871 im Deutschen Reich, ersetzen sie die Münzmeisterzeichen.
- Aktuell: Heute prägen fünf deutsche Münzstätten Euro-Münzen mit den Zeichen A, D, F, G, J.
- Sammlerwert: Die Auflage einer Münze pro Prägestätte kann variieren, was das Prägezeichen für Sammler relevant macht.
Die deutschen Prägezeichen im Überblick
Die Kennzeichnung von Münzen durch Prägezeichen ist ein zentrales Element der deutschen Numismatik seit der Reichseinigung. Die Buchstaben geben Aufschluss über den Herstellungsort und sind für die historische und sammlerische Einordnung von entscheidender Bedeutung.
Deutsches Prägezeichen – Übersicht
| Prägezeichen | Prägestätte | Zeitraum (Auswahl) |
|---|---|---|
| A | Berlin | seit 1750 (aktiv) |
| D | München | seit 1872 (aktiv) |
| F | Stuttgart | seit 1872 (aktiv) |
| G | Karlsruhe | seit 1872 (aktiv) |
| J | Hamburg | seit 1875 (aktiv) |
| B | Hannover / Wien | bis 1878 / 1938–1944 |
| C | Frankfurt am Main | bis 1879 |
| E | Muldenhütten (Sachsen) | 1887–1953 |
| H | Darmstadt | bis 1882 |
| P | Paris (für das Saarland) | 1921–1935 / 1947–1957 |
| T | Tabora (Deutsch-Ostafrika) | 1916 |
| W | Warschau (für das Generalgouvernement) | 1941–1944 |
Historische Besonderheiten ausgewählter Prägestätten
Einige Prägezeichen verweisen auf historisch bedeutsame Epochen und Orte. Das Münzzeichen B wurde ursprünglich für die Prägestätte in Hannover verwendet. Nach deren Schließung 1878 wurde der Buchstabe von 1938 bis 1944 für die Münze Wien während des „Anschlusses“ Österreichs an das Deutsche Reich reaktiviert. Das Prägezeichen E der sächsischen Münzstätte Muldenhütten wurde sowohl für Münzen des Kaiserreichs als auch der DDR verwendet, bis die Prägung dort 1953 eingestellt wurde.
Besonders interessant sind Prägungen, die außerhalb der damaligen Reichsgrenzen für deutsche Verwaltungsgebiete entstanden. Das Zeichen T steht für Tabora und kennzeichnet die Notmünzen von 1916 aus Deutsch-Ostafrika. Münzen für das Saarland wurden in Paris (P) und Münzen für das Generalgouvernement im besetzten Polen in Warschau (W) geprägt.
Aktive deutsche Münzprägestätten der Gegenwart
Seit der Wiedervereinigung und der Einführung des Euro prägen fünf staatliche Münzstätten die offiziellen deutschen Kurs- und Gedenkmünzen. Dies sind die Staatliche Münze Berlin (A), das Bayerische Hauptmünzamt in München (D), die Staatlichen Münzen Baden-Württemberg an den Standorten Stuttgart (F) und Karlsruhe (G) sowie die Hamburgische Münze (J).
Hinweis der Fachredaktion
Die Verteilung der Prägeaufträge für deutsche Euro-Umlaufmünzen auf die fünf aktiven Münzstätten orientiert sich am Anteil des jeweiligen Bundeslandes am nationalen Steueraufkommen. Dies führt zu systematisch unterschiedlichen Prägezahlen pro Münzzeichen, was für Sammler von besonderem Interesse ist.
Häufige Fachfragen zu deutschen Prägezeichen
Der Buchstabe 'I' wird traditionell nicht als Münzzeichen verwendet, um eine Verwechslung mit dem Buchstaben 'J' oder der römischen Ziffer I zu vermeiden. Diese Konvention hat sich historisch etabliert und wird bis heute beibehalten.
Ein Prägezeichen (Münzzeichen) ist ein Buchstabe, der die staatliche Prägeanstalt kennzeichnet. Ein Münzmeisterzeichen hingegen war ein persönliches Symbol oder die Initialen des für die Prägung verantwortlichen Münzmeisters. Seit der Reichseinigung 1871 werden in Deutschland auf Münzen des allgemeinen Zahlungsverkehrs ausschließlich Prägezeichen der Münzstätten verwendet.
Ja, das Prägezeichen kann den Sammlerwert einer Münze maßgeblich beeinflussen. Münzen von Prägestätten mit geringeren Auflagen in einem bestimmten Jahrgang sind oft seltener und daher bei Sammlern gefragter. Ein klassisches Beispiel sind die Münzen des Deutschen Reiches mit den nur kurzzeitig genutzten Prägezeichen B (Hannover), C und H.