Reichsmark Sammeln: Ein numismatisches Porträt (Stand 2026)
Die Reichsmark (1924–1948) ist mehr als nur eine historische Währung. Sie ist ein Zeugnis der dramatischsten Epoche deutscher Geschichte – von der Stabilisierung nach der Hyperinflation der Weimarer Republik über die Finanzierung des Zweiten Weltkriegs bis zu ihrem Untergang in der Währungsreform 1948. Für Sammler bietet dieses Gebiet weit mehr als nur Nostalgie; es ist ein Fenster in die wirtschaftlichen und politischen Verwerfungen des 20. Jahrhunderts und bildet einen faszinierenden Kontrast zu den modernen Sammlermünzen der Bundesrepublik.
Die Reichsmark im Überblick
- Währung: Reichsmark (RM), unterteilt in 100 Reichspfennig (RPf)
- Zeitraum: 1924 – 1948
- Epochen: Weimarer Republik, Drittes Reich, Alliierte Besatzungszeit
- Vorgänger: Papiermark / Rentenmark
- Nachfolger: Deutsche Mark (DM)
- Materialien: Bronze, Zink, Aluminium, Nickel, Silber
- Analyse: Eine Währung, die zwei deutsche Staaten und einen totalen Krieg überdauerte, was sie zu einem historisch essenziellen Sammelgebiet macht.
Von der Hyperinflation zur Goldkernwährung
Das Münzgesetz vom 30. August 1924 schuf die Reichsmark als Antwort auf die verheerende Hyperinflation, welche die Papiermark entwertet hatte. Zuvor stabilisierte die Rentenmark (eingeführt am 15. November 1923) die deutsche Wirtschaft. Der Umtauschkurs war drastisch: Für eine Billion Papiermark erhielt man eine einzige Reichsmark. Formal wurde die Reichsmark an Gold gekoppelt (1/2790 kg Feingold), doch im Gegensatz zur Goldmark des Kaiserreichs bestand keine Einlösepflicht in physisches Gold. Sie war somit eine sogenannte Goldkernwährung ohne zirkulierende Goldmünzen – ein fundamentaler Unterschied zur heutigen Praxis, bei der Anleger und Sammler auf ein breites Spektrum an Goldmünzen zurückgreifen können, wie etwa die prestigeträchtige 100-Euro-Goldmünze „Die Judenbuche“.
Die Silbermünzen der Reichsmark: Eine kritische Analyse für Sammler
Die ausgegebenen Silbermünzen (vor allem 2 und 5 Reichsmark) waren durchweg Scheidemünzen, deren Edelmetallwert den Nennwert nicht übersteigen durfte. Die Silberfeingehalte variierten und waren deutlich geringer als bei den Mark-Münzen des Kaiserreichs (meist 900/1000 Silber). So wiesen die 5-RM-Stücke „Garnisonskirche“ und die 2-RM-Stücke „Hindenburg“ lediglich einen Silbergehalt von 625/1000 auf. Aufgrund der massiven Kriegsgeldschöpfung ab 1939 hortete die Bevölkerung diese Silbermünzen in enormen Mengen. Aus diesem Grund sind sie heute auf dem Sammlermarkt in großer Zahl und oft zu moderaten Preisen verfügbar. Sie bilden den perfekten Einstieg in das Sammelgebiet und einen interessanten Vergleich zu den modernen Silberprägungen.
| Münze | Nominal | Material | Feingewicht | Numismatische Anmerkung |
|---|---|---|---|---|
| 5 Reichsmark „Hindenburg“ | 5 RM | Ag 900 | 12,5 g | Massenprägung; heute noch weit verbreitet. |
| 35 Euro „Elisabeth Schwarzhaupt“ | 35 € | Ag 444 | 7,4 g | Neue Sammlermünzen-Klasse ab 2026. |
| 50 Euro „Heilige Drei Könige“ | 50 € | Ag 500 | 11,0 g | Letzte Ausgabe in der markanten Tellerprägung. |
NEWS 2026: Das deutsche Münzprogramm setzt neue Maßstäbe
Das Ausgabejahr 2026 markiert einen Wendepunkt für deutsche Silber-Sammlermünzen. Die neue 35-Euro-Klasse aus 444er Silber (16,67 g Rohgewicht) würdigt prägende Gestalten wie Elisabeth Schwarzhaupt, kulturelle Ikonen wie Richard Wagner und technische Meisterwerke wie die Wuppertaler Schwebebahn. Ein numismatischer Abschied steht bevor: Die 50-Euro-Münze „Heilige Drei Könige“ wird die letzte in der distinktiven Tellerprägung sein. Diese Emissionen zeigen, wie sich die deutsche Gedenkprägung von den reinen Kursmünzen der Reichsmark-Ära zu kunstvollen Sammlerstücken entwickelt hat.
Währungschaos und das Ende einer Ära
Die exzessive Geldschöpfung zur Finanzierung des Krieges führte die Reichsmark in die Bedeutungslosigkeit. Enorme Kriegszerstörungen und ein künstlich aufgeblähtes Geldvolumen höhlten die Kaufkraft aus. Ein System aus Bezugsscheinen und festgesetzten Preisen zementierte den Funktionsverlust der Währung. Die Kleinmünzen zu 1, 5 und 10 Reichspfennig, die von 1945 bis 1948 geprägt wurden, trugen zwar noch die Inschrift „Deutsches Reich“, verzichteten jedoch auf das Hakenkreuz.
Die Deutsche Mark als Nachfolger und der Weg zum Euro
Die Währungsreform vom 21. Juni 1948 in den Westzonen (Ostdeutschland folgte kurz darauf) beendete die Ära der Reichsmark und führte die Deutsche Mark ein. Dieser radikale Währungsschnitt war ein Fundament des deutschen Wirtschaftswunders und prägte die Bundesrepublik für über 50 Jahre. Der Übergang von der DM zum Euro im Jahr 2002 war ein ähnlich historischer Schritt. Heute dokumentieren die Gedenkmünzen der Euro-Währung die Geschichte und Zukunft Deutschlands. Die beliebte 2-Euro-Münzen-Serie der Bundesländer, die 2026 mit dem Motiv des Klimahauses Bremerhaven für Bremen fortgesetzt wird, ist ein Paradebeispiel für diese neue Ära. Technologische Meilensteine werden ebenfalls gewürdigt, etwa auf der innovativen 5-Euro-Münze Ariane 6.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Absolut. Der Wert ist jedoch stark von Erhaltung, Material (Silber), Prägestätte und Seltenheit abhängig. Gängige Silbermünzen wie die 2- und 5-RM-Stücke mit dem Porträt Hindenburgs sind weit verbreitet und werden oft nur knapp über ihrem Materialwert gehandelt. Seltene Jahrgänge, exzellente Erhaltungen (Stempelglanz) oder Münzen aus der Weimarer Republik können hingegen signifikante Sammlerwerte erzielen.
Diese drei Währungen repräsentieren unterschiedliche geldpolitische Systeme: Die Goldmark (bis 1914) war durch die Goldreserven der Reichsbank gedeckt und konnte in Gold eingetauscht werden. Die Rentenmark (1923) war eine kurzlebige Übergangswährung zur Inflationsbekämpfung, fiktiv gedeckt durch eine Hypothek auf die deutsche Wirtschaft. Die Reichsmark (ab 1924) war die offizielle Nachfolgewährung, formal an Gold gekoppelt („Goldkernwährung“), aber ohne Umtauschrecht in physisches Gold für die Bürger.
Neben den bereits vorgestellten Silber-Neuheiten sind vor allem die Gold-Emissionen hervorzuheben. Ein kulturelles und numismatisches Highlight ist die 100-Euro-Goldmünze „Die Judenbuche“ aus der Serie „Meisterwerke der deutschen Literatur“. Sie verbindet höchsten Materialwert mit anspruchsvoller Gestaltung und bleibt ein Kernstück jeder modernen Deutschland-Sammlung.