Münz-Lexikon
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Spindelprägewerk
Das Spindelprägewerk dürfte neben dem zeitnah entwickelten Klippwerk und dem Taschenwerk die erste Maschine zum Prägen von Münzen überhaupt sein. Sein direkter Vorläufer ist die sogenannte Spindelpresse, die wiederum auf der Gewindespindel beruht.
Als Erfinder besagter Gewindespindel gilt der griechische Universalgelehrter Archimedes, der von 287 bis 212 v. Chr. lebte. Wenngleich das Prinzip der Gewindespindel, das letztendlich dem Spindelprägewerk zugrunde liegt, demnach schon ausgesprochen alt ist, sollte es historischen Überlieferungen zufolge dennoch bis zum späten Mittelalter dauern, bis die ersten Spindelpressen gebaut wurden. Ihr Ursprungsland ist vermutlich Italien, zumal die erste bezeugte Nutzung einer Spindelpresse den Italienern Donato Bramante und Benvenuto Celline nachgesagt wird.
Entwicklung des Spindelprägewerks
Das erste richtige Spindelprägewerk, das wohl um 1550 erstmals tatsächlich zum Prägen von Deutsche Euro-Münzen genutzt wurde, soll dem Augsburger Goldschmied Max Schwab gehört haben. Erste Bemühungen, die nun bewährte Spindelprägung auch in Frankreich und England zu etablieren, sollten jedoch am vehementen Widerstand vonseiten der dortigen Münzer, die noch immer das Prägen von Hand präferierten, scheitern.
Etwas mehr als hundert Jahre später wurden Spindelprägewerke dann aber auf Grund der mit ihnen gebotenen Prägequalität und der großen Prägemengen, die sie ermöglichten, doch in allen bedeutenden Münzstätten eingeführt. Allerdings drohte das Spindelwerk im 19. Jahrhundert zunehmend durch das sogenannte Kniehebelprägewerk, welches 1817 von Diedrich Uhlhorn erfunden wurde, verdrängt zu werden.
Funktionsweise von Spindelprägewerken
Ein Spindelprägewerk verfügt über einen Unterstempel, auf den der zu prägende Münzrohling gelegt wird, und einen Oberstempel, der mithilfe einer Spindelschraube herabgelassen wird. Um einen möglichst hohen Prägedruck zu erreichen, verfügten Spindelprägewerke in der Regel über sogenannte Schwungarme beziehungsweise Schwungräder, die zu Beginn noch von bis zu zwölf Männern, später von Pferden oder Wasserkraft und zum Ende des 18. Jahrhunderts hin mittels Dampfmaschinen angetrieben wurden.
Abläufe der Münzprägung mit einem Spindelprägewerk
Rohlingpositionierung: Zunächst wird ein vorbereiteter Münzrohling, auch Schrötling genannt, präzise auf den fest installierten Unterstempel des Spindelprägewerks gelegt.
Spindelaktivierung: Die Spindelschraube, an deren unterem Ende der Oberstempel befestigt ist, wird durch die Betätigung der Schwungarme oder Schwungräder in Bewegung gesetzt. Dies bewirkt ein schnelles und kraftvolles Absenken des Oberstempels.
Prägevorgang: Der Oberstempel trifft mit enormer Wucht auf den Rohling, der zwischen Ober- und Unterstempel liegt. Durch diesen hohen Druck werden die Motive und Inschriften beider Stempel gleichzeitig und spiegelverkehrt in das Metall des Rohlings geprägt.
Münzentnahme: Nach dem Prägevorgang wird die Spindelschraube wieder angehoben, der Oberstempel fährt zurück in seine Ausgangsposition, und die nun fertige Münze kann entnommen werden. Dieser Vorgang wiederholt sich für jeden einzelnen Rohling.
Die Bedeutung für die Münzprägung und Sammler
Die Einführung des Spindelprägewerks war ein revolutionärer Schritt in der Münzgeschichte. Es ermöglichte eine deutlich höhere und konsistentere Prägequalität im Vergleich zur vorherigen Hammerprägung. Die Motive waren schärfer, die Ränder gleichmäßiger und die Münzen insgesamt runder. Für Sammler bedeutet dies, dass frühe Münzen aus Spindelprägewerken oft eine bessere Erhaltung und Detailtreue aufweisen als ihre handgeprägten Vorgänger.
Allerdings können auch bei Spindelprägewerken, insbesondere in den Anfangszeiten, Abweichungen in der Prägequalität auftreten, etwa durch ungleichmäßigen Antrieb der Schwungräder oder Stempelverschleiß. Solche Varianten oder Fehlprägungen, die auf die spezifische Arbeitsweise dieser frühen Maschinen zurückzuführen sind, können für Numismatiker von besonderem Interesse sein und den Sammlerwert einer Münze erheblich steigern. Eine Münze, die eine besonders scharfe und vollständige Prägung aus einem frühen Spindelprägewerk zeigt, ist aufgrund ihrer historischen Bedeutung und der technischen Leistung ihrer Zeit oft wertvoller.
Spindelpressen in der heutigen Zeit
Heutige Spindelpressen, wie zum Beispiel Reibradspindelpressen, werden hingegen zumeist von Elektromotoren betrieben. Der Einsatz von Motoren ist aber längst nicht die einzige Änderung, die in den letzten Jahren mit dem technischen Fortschritt einherging. So kann zum Beispiel bei hochmodernen Spindelpressen mit Servoantrieb dank neuartiger Torque-Antriebstechnik gänzlich auf ein Schwungrad sowie ein Getriebe verzichtet werden.
Außerdem können dank der besagten Torque-Antriebe in Verbindung mit sogenannten Planetenrollgewindetrieben mehrere Spindeln zusammen verwendet werden, wodurch unter anderem eine deutlich höhere Presskraft und ein genaueres Herablassen des Stößels möglich sind.