Münz-Lexikon
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Consecrationsmünzen
Consecrationsmünzen: Die posthume Vergöttlichung in der Antike
Consecrationsmünzen, abgeleitet vom lateinischen "Consecratio" (Erhebung, Weihe), sind antike Prägungen, die der posthumen Vergöttlichung hochrangiger Persönlichkeiten dienten. Sie verewigten verstorbene Kaiser und Mitglieder ihrer Familien als Gottheiten und waren ein zentrales Element der römischen Herrscherverehrung.
- 5. Jahrhundert v. Chr. Die griechische Kultur etabliert die Heroenverehrung, bei der Staatsgründern, Kriegshelden und anderen herausragenden Persönlichkeiten übermenschliche Fähigkeiten zugeschrieben und sie als Kleingötter verehrt wurden.
- Römische Kaiserzeit Nach dem Tod eines Kaisers oder eines Mitglieds seiner Familie konnte der Senat per Dekret die Erhebung in den Götterstatus beschließen. Männliche Personen wurden als "Divus", weibliche als "Diva" bezeichnet. Die Consecrationsmünzen wurden stets postum geprägt, um diese göttliche Erhebung zu zelebrieren und zu propagieren.
- 138–161 n. Chr. Prägungen für Kaiser Antoninus Pius, der als "Divus Antoninus" verewigt wurde.
- 161–180 n. Chr. Consecrationsmünzen für Marc Aurel, der nach seinem Tod ebenfalls den Status eines "Divus" erhielt.
- 161–169 n. Chr. Münzen für Lucius Verus, Mitkaiser Marc Aurels, der nach seinem frühen Tod vergöttlicht wurde.
- 249–251 n. Chr. Prägungen für Trajanus Decius, dessen kurze, aber ereignisreiche Herrschaft ebenfalls mit posthumen Consecrationsmünzen gewürdigt wurde.
- 326 n. Chr. Das Ende der Consecrationsmünzen aus Bronze markiert der Tod Faustinas, der Gemahlin Konstantins des Großen. Ihre Ermordung führte zu einer letzten, umfangreichen Serie von Sonderprägungen.
Design und Symbolik der Consecrationsmünzen
Die Gestaltung der Consecrationsmünzen folgte festen ikonografischen Regeln, um die göttliche Erhebung der dargestellten Person zu visualisieren:
- Vorderseite (Avers): Die vergöttlichte Person wird oft mit einer Strahlenkrone dargestellt, einem Attribut des Sonnengottes Sol Invictus, das ihre göttliche Natur unterstreicht. Das Antlitz ist häufig verschleiert, was den Übergang ins Jenseits symbolisiert. Die Inschrift nennt das Geschlecht der Person mit Abkürzungen wie DIVUS, DIVA oder DIV.
- Rückseite (Revers): Die Darstellungen auf dem Revers symbolisieren die Aufnahme in die Götterwelt. Häufige Motive sind der Adler oder der Blitz als Symbole des Göttervaters Jupiter (Zeus) oder ein Rad schlagender Pfau für weibliche Gottheiten (oft Juno). Ebenso finden sich Darstellungen der Quadriga (Viergespann) oder Biga (Zweigespannt), gezogen von Elefanten oder Pferden, die als himmlische Gefährte dienen. Verstorbene Herrscherinnen wurden oft auf einem reich geschmückten Wagen, gezogen von Mauleseln, ins Himmelsreich gefahren. Weitere Symbole des ewigen Lebens sind der Vogel Phönix oder die Göttin Aeternitas mit Zepter, Globus oder Füllhorn. Auch ein Altar mit Adler ziert einige Rückseiten.
Bekannte Prägungen und ihre Bedeutung
Consecrationsmünzen wurden für eine Vielzahl römischer Kaiser und Kaiserinnen geprägt, von Augustus bis Alexander Severus. Sie dienten nicht nur der Erinnerung, sondern auch der Legitimierung der Nachfolger und der Stärkung des Kaiserkultes. Die Münzen waren ein mächtiges Propagandamittel, das die göttliche Ordnung und die Kontinuität der Herrschaft betonte.
Für Sammler
Die Consecrationsmünzen, insbesondere die umfangreichen Sonderprägungen nach dem Tod Faustinas (326 n. Chr.), bieten eine faszinierende Vielfalt an Motiven. Neben traditionellen Gottheiten wie Luna, Sol und Vesta zeigen sie auch Fortuna, Victoria, Pax, Aequitas, Providentia, Aeternitas und Pietas. Ein fliegender Pfau, ein Scheiterhaufen oder ein brennender Tempel unterstreichen die Bedeutung der Verstorbenen. Diese Münzen sind nicht nur numismatisch interessant, sondern auch wertvolle historische Zeugnisse der römischen Religions- und Herrschaftsgeschichte. Konstantins Entscheidung, nach Faustinas Tod unverheiratet zu bleiben und somit "Witwer einer Göttin" zu sein, verlieh ihm bis zu seinem eigenen Tod besondere Ehrerbietung und unterstreicht die kulturelle Relevanz dieser Prägungen.