Münz-Lexikon
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Georgstaler
- Prägezeitraum: Ab 1521 (Grafschaft Mansfeld), Neuauflage Ende 17. Jh. (Kremnitz)
- Prägeherr: Grafen von Mansfeld, später weitere Münzstätten, Medailleur Hermann Roth von Rothenfels
- Nominal: Taler
- Metall/Material: Ursprünglich Silber (Reichstalerfuß), später auch unedle Metalle für Amulette
- Feingehalt (ursprünglich): 889/1000 Silber (nach Reichsmünzordnung 1566)
- Raugewicht (ursprünglich): ca. 29,23 g
Der Georgstaler: Vom Mansfelder Taler zum Soldatenamulett
Der Georgstaler, eine ikonische historische Münze, entstammt der Familie der Talermünzen und wurde ab 1521 von den Grafen von Mansfeld in Deutschland geprägt. Benannt nach dem Schutzpatron St. Georg, der die Vorderseite zierte, entwickelte sich der Georgstaler über Jahrhunderte von einem Zahlungsmittel zu einem hochbegehrten Schutzamulett, insbesondere unter Soldaten.
- 1521 Erste Prägung des Georgstalers durch die Grafen von Mansfeld.
- Ab 1566 Orientierung am Reichstalerfuß: 889/1000 Silber, Raugewicht ca. 29,23 g.
- 17. Jahrhundert Hohe Nachfrage während des Dreißigjährigen Krieges; Verbreitung als Schutzamulett.
- Ende 17. Jahrhundert Neugestaltung durch Medailleur Hermann Roth von Rothenfels in Kremnitz, Ungarn. Einführung einer neutestamentlichen Szene auf der Rückseite.
- 17. - 19. Jahrhundert Etablierung als populärstes Soldatenamulett in Mitteleuropa, Wertsteigerung um das 20- bis 30-Fache.
Ursprung und frühe Verbreitung
Die Grafen von Mansfeld, ein bedeutendes Adelsgeschlecht im Heiligen Römischen Reich, begannen im Jahr 1521 mit der Prägung des Georgstalers. Diese frühen Exemplare folgten dem gängigen Münzfuß der Zeit, der sich später im Reichstaler von 1566 manifestierte: ein Raugewicht von etwa 29,23 Gramm und ein Feingehalt von 889/1000 Silber. Der Schutzpatron St. Georg, oft im Kampf mit dem Drachen dargestellt, verlieh der Münze nicht nur ihren Namen, sondern auch eine symbolische Bedeutung, die sie bald über ihren reinen Geldwert hinausheben sollte.
Der Georgstaler im Dreißigjährigen Krieg
Besonders während des Dreißigjährigen Krieges (1618–1648) erlangte der Georgstaler eine immense Popularität. Angehörige aller Militärgattungen – von Reitern bis zu Fußsoldaten – schrieben ihm eine schützende Wirkung für Leib und Leben zu. Die Nachfrage nach diesen "Schutzamuletten" überstieg die Kapazitäten der Mansfelder Prägeanstalten bei Weitem. Dies führte dazu, dass andere Münzstätten die Erlaubnis erhielten, Georgstaler zu prägen, allerdings ohne das Wappen der Grafen von Mansfeld zu verwenden. Die Münzen wurden aus unterschiedlichsten Metallen hergestellt, wobei neben Silber auch unedlere Metalle für die Amulett-Varianten zum Einsatz kamen.
Barocke Neugestaltung und Wertsteigerung
Gegen Ende des 17. Jahrhunderts erfuhr der Georgstaler eine bedeutende künstlerische Überarbeitung. Der Medailleur Hermann Roth von Rothenfels gestaltete die Münze in Kremnitz, Ungarn, im barocken Stil neu. Die Rückseite zeigte fortan eine Szene aus dem Neuen Testament, was die religiöse Konnotation verstärkte. Diese Neugestaltung befeuerte die Nachfrage erneut drastisch. Der Wert der Georgstaler stieg um das 20- bis 30-Fache, wodurch sie für das einfache Volk nahezu unerschwinglich wurden und primär als Sammlerstücke oder hochpreisige Amulette zirkulierten.
Das universelle Soldatenamulett
Zwischen dem späten 17. und dem 19. Jahrhundert etablierte sich der Georgstaler als das beliebteste Soldatenamulett im mitteleuropäischen Raum. Unabhängig von Konfession oder Nationalität gehörte die Münze zur inoffiziellen Standardausrüstung vieler Armeen. Ob Reiter, Fußsoldaten oder Seefahrer – der Schutzpatron St. Georg wurde als konfessionsübergreifender Begleiter mit religiöser Herkunft verehrt. Diese tiefe Verwurzelung in der Militär- und Kirchengeschichte macht den Georgstaler zu einem faszinierenden Zeugnis der Volksfrömmigkeit und des Aberglaubens in Kriegszeiten.
Für Sammler
Georgstaler sind aufgrund ihrer reichen Geschichte und der vielfältigen Prägevarianten begehrte Sammlerobjekte. Besonders gesucht sind die frühen Mansfelder Prägungen im originalen Münzfuß sowie die barocken Neugestaltungen aus Kremnitz. Exemplare, die als Amulette getragen wurden, weisen oft Spuren der Nutzung wie Ösen oder Abrieb auf, was ihren historischen Wert steigern kann. Achten Sie auf die Provenienz und den Zustand, da Fälschungen oder minderwertige Nachprägungen existieren. Der Wert kann stark variieren, von einigen hundert bis zu mehreren tausend Euro für seltene Stücke.