Münz-Lexikon
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Porzellanmünze
- Prägezeitraum: Ende 18. Jahrhundert (Reproduktionen), 1920–1921 (Deutsches Notgeld), ca. 1760–1880 (internationale Token)
- Metall/Material: Biskuit-Porzellan, braunes Steinzeug
- Prägeherr (Deutschland): Land Sachsen, Deutsches Reich (Probeserien), Städte, Verbände, Firmen
- Nominale (Deutschland): 20, 50 Pfennig; 1, 2, 5, 10, 20 Mark
Porzellanmünzen: Ein außergewöhnliches Kapitel der Numismatik
Porzellanmünzen repräsentieren ein faszinierendes und oft übersehenes Segment der Münzgeschichte. Ursprünglich als detailgetreue Reproduktionen seltener Metallmünzen für Museen und Sammler im späten 18. Jahrhundert aus weißem Biskuit-Porzellan gefertigt, erlangten sie ihre größte Bedeutung als Notgeld in Deutschland während der frühen 1920er Jahre.
- Ende 18. Jh. Erste Porzellanmünzen als museale Reproduktionen aus Biskuit-Porzellan.
- 1920–1921 Produktion von Notgeld aus braunem Steinzeug in der Staatlichen Porzellan-Manufaktur Meißen.
- 1920 Einrichtung einer separaten Abteilung in Meißen für die Münzproduktion.
- ca. 1760–1880 Internationale Porzellan-Token in England, Siam, Japan und China im Umlauf.
Das deutsche Porzellan-Notgeld der 1920er Jahre
Die größte Blütezeit erlebten Porzellanmünzen als Notgeld in den Jahren 1920 bis 1921. Angesichts des Rohstoffmangels und der wirtschaftlichen Unsicherheit nach dem Ersten Weltkrieg wurden diese Münzen primär in der sächsischen Porzellan-Manufaktur Meißen hergestellt. Hierbei kam vorwiegend braunes Steinzeug zum Einsatz, ein Material, das bereits von Johann Friedrich Böttger, dem Erfinder des europäischen Hartporzellans, verwendet wurde. Dieses Material erwies sich als wesentlich robuster und haltbarer für den geplanten Geldumlauf als das empfindlichere weiße Porzellan.
Die geplanten staatlichen Notmünzen, darunter Nominale von 20 und 50 Pfennig sowie 1, 2, 5, 10 und 20 Mark, gelangten jedoch aufgrund der galoppierenden Inflation nicht in den regulären Umlauf. Ihre Nennwerte wurden rasch entwertet. Stattdessen fanden viele dieser Exemplare Verwendung als Spendengeld für wohltätige Zwecke oder als firmeninternes Kantinengeld. Heute sind diese seltenen Stücke in deutschen Münzkatalogen als die einzigen staatlich autorisierten Notmünzen aus Porzellan verzeichnet und stellen wertvolle historische Zeugnisse einer turbulenten Epoche dar.
Künstlerische Gestaltung und Herstellung
Die künstlerische Verantwortung für die deutschen Porzellanmünzen lag bei Emil Paul Börner, einem renommierten Meißener Maler und Bildhauer, der die Entwürfe lieferte. Die Gravur der Stahlstempel übernahm Friedrich Wilhelm Hörnlein aus Dresden, der bei der Münzstätte Muldenhütten tätig war. Gemeinsam schufen Börner und Hörnlein Münzmotive, die durch ihre Naturverbundenheit und schlichte Darstellung der damaligen Lebens- und Arbeitswelt beeindrucken. Jede originale Meißener Porzellanmünze trägt zudem das charakteristische Markenzeichen der gekreuzten Schwerter.
Ende 1920 wurde in der Staatlichen Porzellan-Manufaktur Meißen eine eigene Abteilung für die Produktion dieser Münzen eingerichtet. Sie fertigte im Auftrag des Landes Sachsen (Landesmünzen), für das Deutsche Reich (Probeserien), aber auch für diverse Verbände, Vereine, Städte und private Auftraggeber.
Internationale Porzellanprägungen
Neben Meißen produzierten auch andere deutsche Firmen wie die Meißner Porzellan- und Ofenfabrik (ehemals C. Teichert) oder die Reinhold & Co. Keramischen Werkstätten in Bunzlau Porzellanmünzen, wenn auch in geringerem Umfang. Auch international fanden Porzellanmünzen Verbreitung. Bekannte Beispiele sind die "Hong" oder "Pei" aus dem alten Siam (heutiges Thailand), die ursprünglich als Spielgeld in Spielhäusern dienten und bis etwa 1880 als offizielles regionales Zahlungsmittel fungierten. In England wurden bereits um 1760 von der Worcester Porcelain Factory und um 1801 in Pinxton Porzellan-Token mit Werten wie Sixpence und 10 Shilling ausgegeben. Auch in Japan und China sind Porzellanmünzen dokumentiert.
Für Sammler
Porzellanmünzen, insbesondere die deutschen Notgeldausgaben, sind aufgrund ihrer einzigartigen Materialität und ihrer kurzen, aber intensiven Prägegeschichte begehrte Sammlerstücke. Die Seltenheit variiert stark je nach Nennwert, Prägestätte und Erhaltungsgrad. Exemplare in tadellosem Zustand oder mit besonderen Prägungen erzielen auf dem Markt hohe Preise. Sie bieten einen tiefen Einblick in die wirtschaftlichen und sozialen Umstände ihrer Entstehungszeit.