Münz-Lexikon
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Dicken
- Prägezeitraum: Spätes 15. Jahrhundert bis frühes 16. Jahrhundert (ca. 1482–1512), Strichlidicken 1631–1633
- Metall/Material: Silber
- Prägeherren: Diverse Städte und Herrschaften im süddeutschen Raum und der Schweiz
Der Dicken: Eine prägende Silbermünze des Spätmittelalters
Der Dicken war eine bedeutende Silbermünze, die im späten 15. und frühen 16. Jahrhundert im süddeutschen Raum und der Schweiz geprägt wurde. Ihr Vorbild war der norditalienische Testone, dessen Name vom italienischen "testa" (Kopf) abgeleitet ist und sich auf das Porträt des Prägeherren bezieht. Der Dicken selbst erhielt seinen Namen aufgrund seines im Vergleich zu kleineren Umlaufmünzen wie Kreuzern oder Pfennigen deutlich höheren Gewichts und seiner Dicke.
- 1474 Einführung des Testone in Mailand unter Herzog Galeazzo Maria Sforza. Dieser wog ca. 9,6 Gramm bei einem Feingehalt von 962/1000 Silber.
- 1482 Prägung des ersten Dicken in der Schweizer Stadt Bern. Hier ersetzte das Bild des Stadtpatrons das Porträt des mailändischen Herzogs.
- Ende 15. Jh. Der Dicken etabliert sich als wichtiges Zahlungsmittel im süddeutschen Raum und der Schweiz. Sein Raugewicht lag typischerweise zwischen 7 und 10 Gramm, oft um 8 Gramm, bei einem hohen Silberfeingehalt von meist 875/1000 oder höher.
- Ca. 1512 Die Prägung des Dicken wird weitgehend eingestellt.
- 1631–1633 Prägung des Strichlidickens in St. Gallen als besondere Form.
Der Dicken war in der Bevölkerung auch als "große dicke Silbermünze" bekannt. Sein Wert entsprach in der Regel 1/3, seltener 1/4 eines Goldguldens. Ein Goldgulden hatte zu dieser Zeit einen Feingoldgehalt von etwa 3,5 Gramm. Nachfolger des Dicken wurden im süddeutschen Raum der Taler und in der Schweiz der Guldengroschen.
Eine bemerkenswerte Variante ist der Strichlidicken, der zwischen 1631 und 1633 in St. Gallen geprägt wurde. Diese Münze zeichnete sich durch die Wertzahl auf der Vorderseite und die Jahreszahl unter einem charakteristischen Trennstrich auf der Rückseite aus.
Für Sammler
Dicken-Münzen sind aufgrund ihrer relativ kurzen Prägezeit und ihrer historischen Bedeutung für die Entwicklung des europäischen Münzwesens begehrte Sammlerstücke. Sie repräsentieren den Übergang von kleineren Silbermünzen zu größeren Nominale wie dem Taler. Besonders der seltene Strichlidicken aus St. Gallen ist für numismatische Sammlungen in Deutschland und der Schweiz von großem Interesse.