Münz-Lexikon
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Doppelsenkungen
Die Doppelsenkung, im Englischen oft als "doubled die" bezeichnet, ist eine faszinierende und für Numismatiker relevante Fehlprägung, die ihren Ursprung im Herstellungsprozess des Prägestempels selbst hat. Sie äußert sich in einer sichtbaren Verdopplung oder Verschiebung von Teilen des Münzbildes, der Schrift oder der Jahreszahl auf einer Seite der Münze.
Entstehung einer Doppelsenkung
Um die Entstehung einer Doppelsenkung zu verstehen, muss man den Prozess der Stempelherstellung kennen. Eine Münze wird nicht direkt mit einem Stempel gefertigt, der von Hand geschnitzt wurde. Stattdessen wird ein komplexes Verfahren angewendet, das die Übertragung des Designs von einem Urmodell auf den Arbeitsstempel ermöglicht.
Der Ausgangspunkt ist die sogenannte Patrize (oder der Vaterstempel), ein positiver Stempel, der die erhabenen Teile des Münzbildes als Vertiefungen und die vertieften Teile als Erhebungen zeigt. Diese Patrize wird unter hohem Druck in einen Rohling aus gehärtetem Stahl, den sogenannten Mutterstock (oder Matrize), gesenkt. Der Mutterstock ist dann ein Negativ des Münzbildes, also eine Vertiefung dort, wo die Münze später erhaben sein soll.
Für die Herstellung eines Mutterstocks ist es üblich, die Patrize mehrfach in den Rohling zu drücken, um das Design vollständig und scharf zu übertragen. Eine Doppelsenkung entsteht genau in diesem Schritt: Wenn die Patrize bei einem der aufeinanderfolgenden Senkvorgänge minimal verrutscht, verkantet oder sich leicht dreht, werden die Konturen des Designs nicht exakt übereinander, sondern leicht versetzt in den Mutterstock eingeprägt. Das Ergebnis ist ein fehlerhafter Mutterstock, der an den betroffenen Stellen eine doppelte Kontur aufweist.
Auswirkungen auf den Sammlerwert
Im Gegensatz zu einem Doppelschlag, der eine einzelne Münze betrifft, ist eine Doppelsenkung ein Fehler des Prägestempels. Das bedeutet, dass alle Münzen, die mit diesem fehlerhaften Stempel geprägt werden, die gleiche Doppelsenkung aufweisen. Dies macht Doppelsenkungen zwar interessant, aber in der Regel weniger selten und damit weniger wertvoll als einzigartige Fehlprägungen wie Doppelschläge oder Incusprägungen. Der Wert einer Doppelsenkung hängt stark von ihrer Ausprägung ab: Eine sehr deutliche und ästhetisch ansprechende Dopplung kann den Sammlerwert erheblich steigern, während eine kaum sichtbare Dopplung nur einen geringen Aufschlag bedeutet.
Besonders gesucht sind Doppelsenkungen bei bekannten Serien oder seltenen Ausgaben. Ein Beispiel hierfür sind bestimmte 10-DM Münzen der Olympiade 1972, bei denen eine leichte Doppelsenkung der "10" bekannt ist. Auch bei einigen 50-Pfennig-Münzen von 1992 (Prägestätte F) sind starke Versätze in der Jahreszahl zu finden, die bei Sammlern begehrt sind.
Abläufe der Stempelherstellung und Fehlerentstehung
Modellerstellung: Zunächst wird ein Urmodell der Münze, oft in Übergröße, gefertigt. Dies kann heute digital oder traditionell durch Bildhauer erfolgen.
Reduktion und Patrize: Das Urmodell wird mittels einer Reduziermaschine auf Münzgröße verkleinert und als positives Relief in einen Stahlrohling übertragen. Dies ist die Patrize (Vaterstempel).
Mutterstock-Herstellung: Die Patrize wird unter hohem Druck in einen weiteren Stahlrohling gesenkt, um den Mutterstock (Matrize) zu erzeugen. Dieser ist ein Negativ des Münzbildes.
Entstehung der Doppelsenkung: Erfolgt das Senken der Patrize in den Mutterstock nicht absolut präzise und wiederholt sich der Vorgang mit einer minimalen Verschiebung oder Drehung, entsteht eine Doppelsenkung im Mutterstock.
Arbeitsstempel: Vom fehlerhaften Mutterstock werden anschließend die eigentlichen Arbeitsstempel für die Prägemaschinen gefertigt. Diese sind wiederum positiv und tragen die Doppelsenkung.
Münzprägung: Alle mit diesem fehlerhaften Arbeitsstempel geprägten Deutsche Euro-Münzen oder andere Münzen zeigen die gleiche Doppelsenkung.