Münz-Lexikon
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EWS
Das Europäische Währungssystem (EWS) war eine währungspolitische Kooperation der Europäischen Gemeinschaft, die von 1979 bis 1998 bestand. Es zeichnete sich durch innerhalb definierter Bandbreiten fixierte Wechselkurse aus und diente als Vorläufer der Europäischen Währungsunion.
Historischer Kontext und Entstehung
Die Notwendigkeit des EWS entstand aus dem Zusammenbruch des 1944 etablierten Bretton-Woods-Systems im Jahr 1973. Dieses System fixierte die Wechselkurse der Teilnehmerwährungen gegenüber dem US-Dollar, wodurch auch feste Verhältnisse zwischen Nicht-Dollar-Währungen bestanden. Bereits vor dem Kollaps von Bretton Woods wurde 1972 der Europäische Wechselkursverbund, auch bekannt als "Währungsschlange", gegründet. Dieser Interventionsmechanismus europäischer Zentralbanken zielte darauf ab, die Schwankungen der Mitgliedswährungen untereinander zu begrenzen. Ursprünglich umfasste der Wechselkursverbund sechs EG-Mitglieder: Deutschland, Frankreich, die Benelux-Staaten und Italien. 1973 traten Großbritannien, Irland und Dänemark bei. Das EWS löste den Wechselkursverbund 1979 offiziell ab, führte dessen Grundkonstruktion jedoch fort.
Funktionsweise und Ziele des EWS
Das primäre Ziel des EWS war die Erreichung einer umfassenden Währungsstabilität innerhalb der Europäischen Gemeinschaft bei gleichzeitiger Flexibilität für Anpassungen. Während die europäischen Währungen gegenüber dem US-Dollar frei schwanken konnten, sollte die Volatilität unter den Mitgliedswährungen mit fortschreitender Integration reduziert werden. Das System verstand sich als Wegbereiter einer späteren Europäischen Währungsunion. Kern des EWS war die Europäische Währungseinheit (ECU), eine reine Recheneinheit. Die Kurse der Mitgliedswährungen wurden im Verhältnis zum ECU festgelegt und durften innerhalb einer Bandbreite von +/- 2,25 Prozent schwanken; für Italien galt eine erweiterte Bandbreite. Bei Erreichen dieser Grenzen waren die Zentralbanken zu Interventionen verpflichtet, um ein "Ausreißen" der Kurse zu verhindern. Gelang dies nicht, konnten Wechselkursverhältnisse neu justiert werden, was im Verlauf des EWS 17-mal geschah.
Entwicklung und Nachfolge
Dem EWS gehörten auch später beigetretene europäische Staaten an. Italien und Großbritannien mussten das System zwischenzeitlich aufgrund wirtschaftlicher und währungspolitischer Spannungen verlassen. Nach der Einführung des Euro im Jahr 1999 wurde das EWS als Wechselkursmechanismus II (WKM II) für Nicht-Euro-Länder in der EU weitergeführt, um deren Währungen an den Euro zu binden und auf einen möglichen Beitritt zur Eurozone vorzubereiten.
- Förderung der Währungs- und Preisstabilität innerhalb der EG.
- Reduzierung von Wechselkursrisiken im Handel zwischen den Mitgliedsländern.
- Grundlage für die spätere Europäische Währungsunion und den Euro.
- Disziplinierung der nationalen Geldpolitik.
- Rigidität bei externen Schocks (z.B. Ölpreiskrisen).
- Anfälligkeit für spekulative Attacken, insbesondere bei zu engen Bandbreiten.
- Notwendigkeit häufiger Interventionen und Neujustierungen.
- Einschränkung der nationalen geldpolitischen Souveränität.
Investment-Fokus
Das Europäische Währungssystem verdeutlicht die Bedeutung von Währungsstabilität für die Wirtschaft. Phasen hoher Wechselkursschwankungen und wirtschaftlicher Unsicherheit, wie sie vor der EWS-Einführung herrschten, können die Attraktivität von Sachwerten wie Gold und Silber als Absicherung erhöhen. Diese Edelmetalle gelten oft als "sicherer Hafen" in Zeiten monetärer Instabilität und Inflationsdruck, da sie ihren intrinsischen Wert unabhängig von nationalen Währungspolitiken bewahren können. Die Bestrebungen des EWS, Stabilität zu schaffen, spiegeln das grundlegende Bedürfnis nach Wertbeständigkeit wider, das Anleger auch in Edelmetallen suchen.