Münz-Lexikon
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Goldgulden
- Prägezeitraum: 13. bis 16. Jahrhundert (Rheinischer Goldgulden ab 1354)
- Metall/Material: Gold (Allg.) (anfänglich 986/1000, später 979/1000 und 750/1000 Feinheit)
Der Goldgulden: Eine europäische Leitwährung des Spätmittelalters
Der Goldgulden etablierte sich vom 13. bis zum 16. Jahrhundert als ein zentrales Zahlungsmittel und eine der wichtigsten Handelsmünzen im europäischen Raum. Seine weitreichende Akzeptanz im Fernhandel machte ihn zu einer stabilen Größe in einer Zeit wirtschaftlicher Expansion und politischer Fragmentierung.
- 1252 Prägung des ersten Florentiners (Fiorino d'oro) in Italien.
- 1339 Kaiser Ludwig IV. erteilt Münzprivilegien, die den Weg für eigene Goldprägungen im Heiligen Römischen Reich ebnen.
- 1354 Erste Prägung des Rheinischen Goldguldens durch die Kurfürsten von Mainz, Köln, Trier und der Pfalz.
- 1386 Gründung des Rheinischen Münzvereins zur Standardisierung des Goldguldens.
- 1486 Einführung des Silberguldens (Guldengroschen) in Tirol, einer großen Silber (Allg.)-Münze, die den Namen Gulden adaptierte.
- 16. Jahrhundert Bedeutungsverlust des Goldguldens durch das Aufkommen neuer Goldmünzen und die Münzreformen der Neuzeit.
Ursprung und Namensherkunft
Der Name "Gulden" leitet sich vom althochdeutschen "gulden" oder "goldener" ab, was auf das ursprüngliche Material hinweist. Die Abkürzung "fl." steht für "Florentiner", die erste offizielle Prägung einer solchen Themen-Münze im Jahr 1252 in Florenz. Dieser Florentiner, auch Fiorino d'oro genannt, wog 3,53 Gramm und besaß eine Feinheit von 986/1000 (24 Karat). Er diente als Vorbild für zahlreiche europäische Goldmünzen.
Der Rheinische Goldgulden: Standardisierung und Verbreitung
Durch den florierenden internationalen Handel verbreitete sich der Florentiner rasch im Heiligen Römischen Reich. Um die Abhängigkeit von ausländischen Prägungen zu reduzieren und eine eigene stabile Handelswährung zu schaffen, erteilte Kaiser Ludwig IV. ab 1339 verschiedenen Reichsfürsten und Städten Münzprivilegien. Der entscheidende Schritt zur Etablierung einer reichsweiten Goldwährung erfolgte 1354 mit der ersten Prägung des Rheinischen Goldguldens durch die vier rheinischen Kurfürsten (Mainz, Köln, Trier, Pfalz). Diese Münze wog anfänglich etwa 3,50 Gramm bei einer Feinheit von 979/1000 (23,5 Karat). Zur weiteren Standardisierung und Qualitätssicherung wurde 1386 der Rheinische Münzverein gegründet. Der Rheinische Goldgulden entwickelte sich schnell zu einer der wichtigsten Währungen in Deutschland, der Schweiz, den Niederlanden und Teilen Frankreichs. Im 15. Jahrhundert sank die Feinheit auf 750/1000 (18 Karat) bei einem Gewicht von ca. 3,25 Gramm, was seine weite Akzeptanz jedoch kaum beeinträchtigte.
Münzbild und Prägeherren
Das ursprüngliche Münzbild des Florentiners zeigte auf der Vorderseite die Lilie als Stadtsymbol von Florenz und auf der Rückseite den heiligen Johannes den Täufer. Der Rheinische Goldgulden übernahm diese Ikonografie zunächst, passte sie jedoch regional an. Typisch für den Rheinischen Goldgulden war die Darstellung des heiligen Johannes des Täufers auf der Vorderseite, umgeben von den Wappen der prägenden Kurfürsten auf der Rückseite. Im Laufe der Zeit variierten die Motive stark; neben Kirchengeschichte-relevanten Figuren wie Petrus, Christus, Madonna oder St. Andreas traten ab dem späten 15. Jahrhundert zunehmend Bildnisse der jeweiligen weltlichen Prägeherren in den Vordergrund. Diese Vielfalt der Münzbilder spiegelt die dezentrale Prägung im Heiligen Römischen Reich wider.
Für Sammler
Der Goldgulden ist ein faszinierendes Zeugnis der europäischen Münzgeschichte. Besonders gesucht sind frühe Prägungen des Florentiners sowie die variantenreichen Rheinischen Goldgulden der verschiedenen Kurfürsten und Städte. Ihr Historischer Wert und die oft kunstvolle Gestaltung machen sie zu begehrten Objekten für Numismatiker. Die genaue Bestimmung des Prägeherrn und der Prägestätte ist oft entscheidend für den Sammlerwert.