Münz-Lexikon
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Nasenblutengulden
- Prägezeitraum: 1693
- Metall/Material: Silber (840/1000 Feingehalt)
- Nominal: Zweidritteltaler (Gulden)
- Prägeherr: Herzog Ernst August von Braunschweig-Lüneburg-Calenberg
- Münzstätte: Clausthal-Zellerfeld
- Münzfuß: Leipziger Münzfuß (1690)
Der Nasenblutengulden: Eine numismatische Kuriosität des 17. Jahrhunderts
Der sogenannte Nasenblutengulden ist eine prägnante deutsche Silbermünze aus dem Jahr 1693, die ihren spöttischen Namen einem markanten Stempelriss verdankt. Dieser Riss unterhalb der Nase des dargestellten Herzogs Ernst August von Braunschweig-Lüneburg-Calenberg (reg. 1679-1698) erweckte den Eindruck von Nasenbluten. Als Zweidritteltaler geprägt, repräsentiert diese Münze einen wichtigen Abschnitt der deutschen Münzgeschichte und des Übergangs von Gold- zu Silberwährungen.
- 14. Jh. Der Gulden etabliert sich als Goldmünze, nach dem Vorbild der florentinischen Florenen.
- 1477 Gründung der Münzstätte Hall in Tirol, neben Meran eine der bedeutendsten Prägeanstalten des Reiches, zur Verarbeitung lokaler Silbervorkommen.
- 1559 Die Reichsmünzordnung legt den Gulden als Rechnungsbegriff von 60 Kreuzern fest, während der Taler als Kurantmünze dominiert.
- 1690 Einführung des Leipziger Münzfußes, der den Zweidritteltaler als Gulden mit einem Feingehalt von 840/1000 und einem Raugewicht von ca. 24,9 g standardisiert.
- 1693 Prägung des Nasenblutenguldens in der Münzstätte Clausthal-Zellerfeld unter Herzog Ernst August.
- Nach 1753 Der Gulden als Zweidritteltaler wird im Zuge des Konventionsmünzfußes als Konventions-Halbtaler bezeichnet.
Der Nasenblutengulden, ein Zweidritteltaler, wurde im Herzogtum Braunschweig-Lüneburg-Calenberg geprägt. Die Münzstätte Clausthal-Zellerfeld war für die Herstellung dieser Silbermünze verantwortlich. Er folgte dem Leipziger Guldenfuß, der 1690 eingeführt wurde und den Zweidritteltaler als Gulden definierte. Dieser hatte ein Raugewicht von etwa 24,9 Gramm und einen Feingehalt von 840/1000 Silber, was einem Feinsilbergehalt von ca. 20,92 Gramm entsprach. Ursprünglich war der Gulden im 14. Jahrhundert eine Goldmünze, eine Nachahmung der florentinischen Florenen. Später wurden Silbermünzen mit gleichem Wert als Guldengroschen oder Guldiner bezeichnet, wie sie beispielsweise in der Münzstätte Hall geprägt wurden.
Der Stempelriss, der dem Nasenblutengulden seinen Namen gab, ist eine klassische Fehlprägung. In einer Zeit, in der Münzen noch überwiegend von Hand geprägt wurden, waren solche Unregelmäßigkeiten keine Seltenheit. Verschmutzte oder beschädigte Stempel führten häufig zu Abweichungen im Münzbild. Erst mit der Industrialisierung und dem Einsatz maschineller Prägetechniken konnte eine höhere Präzision und Einheitlichkeit der Münzen erreicht werden. Diese sogenannten Ausschussmünzen oder Fehlprägungen haben sich im Laufe der Zeit zu einem eigenständigen und faszinierenden Sammelgebiet entwickelt. Besonders seltene Stücke, wie der Nasenblutengulden, erzielen unter Sammlern hohe Werte.
Für Sammler
Der Nasenblutengulden ist aufgrund seiner einzigartigen Fehlprägung und seiner historischen Bedeutung ein begehrtes Sammlerobjekt. Exemplare in gutem Erhaltungszustand sind selten und können beträchtliche Preise erzielen. Die genaue Dokumentation des Stempelrisses und die Provenienz sind entscheidende Faktoren für die Bewertung dieser numismatischen Rarität. Fehlprägungen generell sind ein spannendes Spezialgebiet für versierte Sammler.